KULTURINDUSTRIE UND SOZIALE HERRSCHAFT
ÜBER DEN ALLTAG IN DER DIKTATUR DES ANGEPASSTEN.
Mit Roger Behrens.

Mittwoch, 18.05.2011 | 18:00 Uhr | Universität Bielefeld | Hörsaal 14

In den vierziger Jahren beschreiben Adorno und Horkheimer in der ›Dialektik der Aufklärung‹ die spätkapitalistische, »fordistische« Massengesellschaft als Kulturindustrie: Am Bespiel der hochentwickelten U.S.-amerikanischen Konsumgesellschaft zeigen sie,
inwieweit mittlerweile die Kommodifizierung des Alltagslebens fortgeschritten ist. Bezeichnet Kulturindustrie soziale Verhältnisse, in denen tendenziell alle Kultur zur Ware wird, bedeutet die Entwicklung in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts eine Diversifizierung dieser Logik: unter der Signatur des Pop wird alle Ware zur Kultur.
Die total verwaltete Welt konvergiert mit einem fröhlichen Positivismus: Anpassung vollzieht sich im Modus der Nonkonformität, die drohende Desintegration wird durch die spontan und selbstmächtig erscheinende Bereitschaft verdrängt, mitzumachen. Das verweist auf manifeste Ideologie integraler, abstrakter Herrschaft, die ihren paradoxen Ausdruck in vermeintlichen Freiheiten der Alltagskultur findet:
Die in der Phase der Kulturindustrie noch hegemonial-hierarchische Ordnung von Herrschaft scheint sich seit den fünfziger Jahren sukzessive aufzulösen: eine postmodern-plurale Anordnung von Dispositiven der Macht soll, so wurde vor allem in den Neunzigern dann behauptet, die kulturelle Integration subversiv und dissident
kontaminieren. An den Verhältnissen selbst hat sich allerdings nichts geändert. Noch immer kommt der Kultur wesentlich die Funktion zu, die Logik kapitalistischer Verwertung ästhetisch wie politisch zu stabilisieren.

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