Archiv der Kategorie 'Veranstaltung(en)'

Kritik der Kulturindustrie

Kritik der Kulturindustrie, 5.5.2012

Kritik der Kulturindustrie

Samstag, 05.05.2012

AlarmTheater
Gustav-Adolf-Straße 17
33615 Bielefeld

Andrea zur Nieden (14-16 Uhr)
GeBorgte Identität. Star Trek als kulturindustrielle Selbstversicherung des technisierten Subjekts

Melanie Babenhauserheide (16-18 Uhr)
Harry Potters Lehrer Gilderoy Lockhart als Hochstapler in Verteidigung gegen die dunklen Künste der Schönheit und der Kulturindustrie.

Sonja Witte (20-22 Uhr)
Guck Dich glücklich! Der unbewusste Wunsch zwischen Ton und Bild in der Kulturindustrie

Zur Kritik der Kulturindustrie

„So daß man einfach versucht, zunächst einmal überhaupt das Bewußtsein davon zu erwecken, daß die Menschen immerzu betrogen werden […].“ (Theodor W. Adorno)

Ist von Kulturindustrie die Rede, denkt man unweigerlich zunächst an schlechte Fernsehserien, pompöse Kinospektakel oder hirnerweichende Schlagerveranstaltungen. Und sicherlich nicht ganz zu Unrecht. Wäre damit aber die Sache schon erschöpfend erfasst, wären ihre Zumutungen einigermaßen leicht zu ertragen: Man müsste einfach nicht mehr hinhören oder hinschauen. Aber Kulturindustrie, wie Adorno und Horkheimer sie bestimmen, geht stets aufs Ganze. Sie verlötet geistige Freiheit mit ökonomischer Notwendigkeit, Produktion mit Konsumtion und lässt dabei keinen Gegenstand unbearbeitet und keinen Konsumenten unerfasst. Inmitten der entfremdeten Gesellschaft suggeriert sie intime Nähe: Sie versorgt die Subjekte mit jenem Weltbezug, ohne den sie als vereinzelte Einzelne zugrunde gingen. Ihr heimliches Motto – »für jeden wird gesorgt« – ähnelt darum nicht zufällig dem des autoritären Sozialstaats.
Falsch ist daher das verbreitete Vorurteil, Kritik der Kulturindustrie sei das Ressentiment von elitären Bildungsbürgern, die kein Verständnis für die Erholungsbedürfnisse der Massen, gar die ›subversiven Potentiale‹ der Massenkultur zeigten. Es ist vielmehr die Kulturindustrie selber, die den Massen den Spaß nicht gönnt. So, wie sie noch das Ernsteste zum Freizeitvergnügen stempelt, lässt sie umgekehrt Vergnügen nur dort passieren, wo es mit den höheren Weihen des Bildungsauftrags versehen ist. Ihr Terrain ist eben das Mittlere: die Mittelmäßigkeit des Kleinbürgers, in der weder Geist noch Lust zu ihrem Recht kommen.
Anhand von drei Vorträgen soll die Kritik der Kulturindustrie nachvollzogen und zur Diskussion gestellt werden. An konkreten Beispielen wird gezeigt, was sich über die Kulturindustrie und die Gesellschaft, aus der heraus sie entstanden und in die sie aufs engste verwoben ist, sagen lässt und wie mit den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen „Schlitten gefahren wird“ (Theodor W. Adorno), um sie noch fester ans gesellschaftliche Ganze zu binden.

Der Text stammt im Wesentlichen aus dem Ankündigungstext des Anfang April gehaltenen Vortrags von Lars Quadfasel zur Einführung in die Kritik der Kulturindustrie, der als Teil dieser Vortragsreihe betrachtet werden kann. Der Vortrag kann hier angehört und runtergeladen werden. Dies ist aber keine notwendige Voraussetzung für die Teilnahme an dieser Veranstaltung.

Andrea zur Nieden
GeBorgte Identität. Star Trek als kulturindustrielle Selbstversicherung des technisierten Subjekts
14-16 Uhr.

Unendliche Weiten… Diesen Satz kennen alle, die das tägliche Ritual lieben, sich von der heimischen Röhre dorthin beamen zu lassen, wo alles anders scheint. Doch, und das wissen sie insgeheim, dort draußen findet sich nichts, was nicht als Fortschreibung des Hier und Jetzt die aktuellen individuellen Ängste und gesellschaftlichen Befindlichkeiten reproduziert. Andrea zur Nieden begreift daher Star Trek, die weltweit erfolgreichste Science-Fiction-Fernsehserie, als kulturindustriellen Versuch der Selbstversicherung des technisierten Subjekts.
Denn treibt das bürgerliche Subjekt schon von je her zum Cyborg, zum reinen Humankapital, dass direkt an die Maschinerie angeschlossen werden kann, so versucht es doch gleichzeitig, sich als Mensch, als einzigartiges Individuum zu behaupten. Erst recht angesichts der zunehmenden Biotechnologisierung des Menschen, die ihn als kybernetisches Informationssystem, als Produkt seiner Gene und seines computerähnlichen Gehirns begreift, wird die Grenze zwischen Menschen und Maschinen immer fragwürdiger. Auch in Star Trek ist spätestens seit der „Next Generation“ die Krankenstation ein medizinisches High-Tech-Labor, in dem Körper und Geist bis in kleinste Bestandteile („genetische“ und „digitale“ Information) sichtbar gemacht, analysiert und reprogrammiert werden können. Trotzdem gilt „der Mensch“ als etwas Einzigartiges, das von Maschinen und (Cy)borgs zu unterscheiden sei. Im Vortrag soll erläutert werden, wie die Angst vor der eigenen Maschinisierung über eine willkürliche Trennung in feindliche böse Cyborgs – die Borg – und die eigene, ungefährliche Integration von Technik in den Körper abgearbeitet wird.

Andrea zur Nieden lebt in Freiburg und Düsseldorf und ist Autorin des gleichnamigen Buches. Seither beschäftigt sie sich mit dem Verhältnis von Subjektivität und verschiedenen Feldern der gegenwärtigen Medizin, von prophylaktischen Gentests bis zur Psychiatrie.

Melanie Babenhauserheide
Harry Potters Lehrer Gilderoy Lockhart als Hochstapler in Verteidigung gegen die dunklen Künste der Schönheit und der Kulturindustrie.
16-18 Uhr.

„‘My dear boy,‘ said Lockhart., straightening up and frowning at Harry. ‚Do use your common sense. My books wouldn‘t have sold half as well if people didn‘t think I‘d done all those things. No one wants to read about some ugly old Armenian warlock, even if he did save a village from werewolves. He‘d look dreadful on the front cover. No dress sense at all. And the witch who banished the Bandon Banshee had a hare lip. I mean, come on…‘”
(J.K. Rowling: Harry Potter and Chamber of Secrets)

Der berühmte und attraktive Schriftsteller von Erlebnisberichten und Ratgebern, Gilderoy Lockhart, der im zweiten Harry Potter Band das Fach Defence Against the Dark Arts unterrichtet, ist ein schlechter Lehrer im Zauberinternat Hogwarts. Aber er ist konzipiert als ‚Lehrer‘ gegenüber den LeserInnen, als eine Art Medienpädagoge, der Verteidigung gegen die dunklen Künste der Kulturindustrie unterrichtet. Die Figur impliziert nicht nur eine Persiflage auf Menschen, die auf Teufel komm raus in Sendungen wie X-Factor oder Big Brother versuchen ins Rampenlicht zu kommen. Lockhart verkörpert auch die kulturindustrielle Tatsache, „daß die Menschen immerzu betrogen werden“ (Adorno) und die Indifferenz der Kulturindustrie gegenüber dem Individuum, das auf den Konsumenten-Status reduziert wird. Über Lockhart wird die für Medienspektakel typische Verquickung zwischen dem Ernsten und dem Banalen parodiert. Mit dieser Figur wird den LeserInnen das Verschwinden von Zusammenhängen, die Beschädigung von Erfahrungsfähigkeit und Gedächtnis vorgeführt.
Allerdings werden diese kritischen Elemente selber mit kulturindustriellen Mitteln realisiert, die damit hinterrücks dann doch wieder affirmiert werden. Beispielsweise erscheint Harry Potter als Protagonist und Namensgeber der Harry Potter Reihe als Gegenbild zu Lockhart: ehrlich, natürlich, bescheiden, uneitel und heldenhaft. Damit aber schlägt die Kritik darin um, den kulturindustriellen Betrug als inhärente Werbestrategie für Rowlings Romane selber unvermittelt weiterzutreiben, indem sie die Gratifikation bietet, dass die Harry Potter -LeserInnen weniger einfältig erscheinen als die Fans von Lockhart.
Auf der anderen Seite wird das emanzipatorische Potential von Kulturindustrie mit dem kritischen Impetus erstickt, wenn sich die Erzählung gegen Schönheit und Verführung richtet. Die inhärente Aufforderung, sich vom schönen Schein nicht täuschen zu lassen und abgeklärt zu bleiben, negiert auch die Versprechen dieses Scheins.
In diesem Vortrag soll diese Ideologie der Harry Potter Reihe bezüglich Kulturindustrie näher unter die Lupe genommen werden in einem ‚Schulaustausch‘ zwischen der Kritischen Theorie der sogenannten Frankfurter Schule und Hogwarts.

Melanie Babenhauserheide (Universität Bielefeld) promoviert an der Uni Frankfurt/ Main zur Ideologie der Harry Potter Reihe. Ihre theoretischen Schwerpunkte sind die frühe Kritische Theorie und die Freudsche Psychoanalyse. Sie hat zuletzt die Artikel „‚Nicht ohne Sträuben.‘ Libido und Fortpflanzungsfunktion“ in Outside the box und „Einige Pointen ohne Witz. Eine grobe Einführung in die Psychoanalyse“ in der Phase 2 veröffentlicht.

Sonja Witte
Guck Dich glücklich! Der unbewusste Wunsch zwischen Ton und Bild in der Kulturindustrie
20-22 Uhr.

Nicht mehr bloß buchstäblich (Marx), sondern, so Adorno, darüber hinaus metaphorisch sind die Menschen im Spätkapitalismus zu Anhängseln der Maschinen und somit vollends zu ‚bloßen Funktionen des Produktionsapparates‘ geworden: Sie werden total gesteuert – par excellence in der Kulturindustrie. Totale Steuerung, Manipulation der Bedürfnisse, Massenbetrug … so das Urteil über deren Wirkung in der „Dialektik der Aufklärung“ (Adorno/Horkheimer).
Ein allzu apodiktischer Pessimismus sagen die einen, und bestehen im Gegenzug auf der Pluralität und dem performativen Spielraum der ‚Akteure‘ – in dieser Behauptung sehen wiederum andere die ‚bloße Ideologie‘ der Massenkultur am Werke, die die KonsumentInnen zur Unfreiheit, Passivität und Anpassung an den gesellschaftlichen Gesamtapparat verhält. Der Ausgangpunkt des Vortrags ist: Diese Entgegensetzung verpasst den kritischen Gehalt von Adornos Formulierung des Publikums als ‚metaphorischem Anhängsel an die Maschine‘, die auf den Zusammenhang des spezifischen Fetischcharakters kulturindustrieller Waren, den besonderen Bedingungen ideologischer Wirkung in der Kulturindustrie und der Rolle des Unbewussten zielt. Der Vortrag wird diesen Zusammenhang an der Konstellation von bewegten Bildern und Ton im Film an Beispielen skizzieren. Gezeigt werden soll: Kulturindustrie fungiert als Kitt, weil die ideologische Wirkung ihrer Techniken ihr Ziel verfehlt – das Scheitern der ‚Manipulation‘ ist der stärkste Motor ihrer Wirkung.

Sonja Witte, lebt in Bremen, hat dort Kulturwissenschaft, Soziologie und Philosophie studiert, schreibt gerade ihre Dissertation, einer Studie über die Bedeutung des Unbewussten in der Kulturindustrie anhand einer Ideologiekritik psychpanalytischer Filmtheorie. Sie ist in verschiedenen politischen Gruppen assoziiert, u.a. „les madeleines“ und der Redaktion der Zeitschrift „Extrablatt – Aus Gründen gegen fast Alles“, hat als Mitglied der Gruppe kittkritik u.a. den Sammelband „Deutschlandwunder – Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur“ (Ventil-Verlag 2007) herausgegeben, zuletzt erschien von ihr „Geld gegen Strich – Über die Kunst der Ware, scheinbar keine zu sein“ (in: „Geld“, hrsg.v. Oliver Decker/Christoph Türcke, Psychsozial-Verlag 2011).

Die Reihe wird unterstützt von der Antifa AG der Uni Bielefeld.

Lars Quadfasel. Es wird gesorgt. Zur Kritik der Kulturindustrie

Es wird gesorgt.
Zur Einführung in die Kritik der Kulturindustrie

Vortrag und Diskussion mit Lars Quadfasel.
02.04.2012 / 20:00 Uhr
Extra Blues Bar, Bielefeld

Eine Veranstaltung im Rahmen des Roten Montags.

Ist von Kulturindustrie die Rede, denkt man unweigerlich zunächst an schlechte Fernsehserien, pompöse Kinospektakel oder hirnerweichende Schlagerveranstaltungen. Und sicherlich nicht ganz zu Unrecht. Wäre damit aber die Sache schon erschöpfend erfasst, wären ihre Zumutungen einigermaßen leicht zu ertragen: Man müsste einfach nicht mehr hinhören oder hinschauen. Kulturindustrie, wie Adorno und Horkheimer sie bestimmen, geht stets aufs Ganze. Sie verlötet geistige Freiheit mit ökonomischer Notwendigkeit, Produktion mit Konsumtion und lässt dabei keinen Gegenstand unbearbeitet und keinen Konsumenten unerfasst. Inmitten der entfremdeten Gesellschaft suggeriert sie intime Nähe: Sie versorgt die Subjekte mit jenem Weltbezug, ohne den sie als vereinzelte Einzelne zugrunde gingen. Ihr heimliches Motto – »für jeden wird gesorgt« – ähnelt darum nicht zufällig dem des autoritären Sozialstaats.

Falsch ist daher das verbreitete Vorurteil, Kritik der Kulturindustrie sei das Ressentiment von elitären Bildungsbürgern, die kein Verständnis für die Erholungsbedürfnisse der Massen, gar die ›subversiven Potentiale‹ der Massenkultur zeigten. Es ist vielmehr die Kulturindustrie selber, die den Massen den Spaß nicht gönnt. So, wie sie noch das Ernsteste zum Freizeitvergnügen stempelt, lässt sie umgekehrt Vergnügen nur dort passieren, wo es mit den höheren Weihen des Bildungsauftrags versehen ist. Ihr Terrain ist eben das Mittlere: die Mittelmäßigkeit des Kleinbürgers, in der weder Geist noch Lust zu ihrem Recht kommen.

Falsch ist freilich auch die gängige Assoziation von Kulturindustrie mit den USA. Wenn sich Kulturindustrie überhaupt national eingrenzen ließe, hieße ihr Heimatland Deutschland. Hier entstanden nicht nur die bedeutungsschwangeren UFA-Filme der Weimarer Republik, sondern auch das Bild vom Krieg als Konsumartikel, der »Schlacht als innerem Erlebnis«; hier forderte der Führer den Volksempfänger, während Zarah Leanders Gesang die Sehnsucht nach dem Endsieg begleitete; hier wurden nach 1945 all die politisch inopportun gewordenen völkischen Ideologeme ins Bermudadreieck von Heimatschnulze, Goetheabend, Landserroman und Fußballbund ausgelagert, und hier konnte nach 1968 eine Revolte umstandslos erst in kommunistische Kostümfeste und dann in alternative Kleinkunstproduktion überführt werden; hier schließlich nehmen, während die offiziellen Staatsempfänge keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken, patriotische Spektakel inzwischen die zeitgemäße Form schwarz-rot-geiler Volksbespaßung an. Auch um diesen Zusammenhang von Kulturindustrie und deutscher Ideologie soll es auf der Veranstaltung gehen.

Lars Quadfasel ist assoziiert in der Hamburger Studienbibliothek und der Gruppe Les Madeleines. Er publiziert in verschiedenen Zeitschriften (konkret, Jungle World, Extrablatt) und Sammelbänden, zuletzt in: Annika Beckmann u.a. (Hg.), Horror als Alltag. Texte zu »Buffy the Vampire Slayer« (Verbrecher Verlag 2010)

Gesellschaftskritik und Psychoanalyse

Gesellschaftskritik und Psychoanalyse

Vortrag und Diskussion mit Dr. phil. Christine Kirchhoff.

26.01.2012 | 19:00 Uhr
Raum D2-152 | Universität Bielefeld
(Der Weg zum Raum wird ausgeschildert sein)

Theodor W. Adorno bezeichnete die Psychoanalyse als die einzige Psychologie, „die im Ernst den subjektiven Bedingungen der objektiven Irrationalität nachforscht“. Im Vortrag soll es darum gehen, diese Feststellung zu entfalten und auf ihre Voraussetzungen und Konsequenzen zu befragen.
Was heißt hier objektiv? Warum ist diese irrational? Was wäre demgegenüber rational? Ist Gesellschaftskritik auf Psychoanalyse verwiesen und warum? Warum ist die Psychoanalyse – zumindest der Möglichkeit nach – eine kritische Theorie? Warum ist es überhaupt wichtig, sich auch mit der individuellen Ver- und Bearbeitung gesellschaftlicher Verhältnisse zu befassen?
Zunächst wird es also mit Marx und kritischer Theorie darum gehen, was unter gesellschaftlicher Objektivität zu verstehen ist (Begriff der Gesellschaft, Verselbständigung, Verkehrung, Wert- und Subjektform).
Ausgehend von diesen Bestimmungen geht es im zweiten Teil des Vortrages um die subjektiven Bedingungen, also um die Psychoanalyse als kritische Theorie des Subjekts, um das Verhältnis von Natur und Kultur im Menschen, um Sexualität und Triebe, die Freudsche Metapsychologie und wiederum darum, was das alles mit Gesellschaftskritik zu tun hat.
(mehr…)

Feindbild Islam? Vortrag und Diskussion

Feindbild Islam?

Autoritarismen im Islam, Autoritarismen gegen den Islam und das Dilemma kritischer Forschung
Vortrag und Diskussion mit Floris Biskamp.

12.01.2012 / 19:00 Uhr
Bürgerwache (Saal), Bielefeld

Es gibt in Deutschland seit einigen Jahren ein klar erkennbares Ressentiment gegen den Islam und gegen Muslime. Es gibt Parteien, vielgenutzte Internetplattformen und vielverkaufte Bücher, die auf kaum etwas anderem beruhen als auf der Hetze gegen den Islam. Dabei handelt es sich nicht einfach um Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit, sondern um ein spezifisches Feindbild Islam. Der Islam wird als Islam, Muslime werden als Muslime angegriffen. Solches Ressentiment zu benennen und zu kritisieren ist unbedingte Aufgabe einer an Emanzipation orientierten Forschung. Neben diesem Autoritarismus gegen den Islam gibt es aber auch Autoritarismen im Islam. Diese gehen weit über den islamistischen Terrorismus hinaus und betreffen große Teile der islamischen Orthodoxie und des deutschen Verbandsislams. Auch hier ist Kritik notwendig.
(mehr…)

Tagung zur Kritischen Theorie und Emanzipation

„…alles als infam zu empfinden, was das Bestehende ausmacht“ (Leo Löwenthal) – Kritische Theorie und Emanzipation

11.11. und 12.11.2011 Universität Bielefeld

(mehr…)

Alles nur Sarrazin? – Rassismus in der Leistungsgesellschaft

Das Buch Vortrag und Diskussion mit Hannah Schultes und Sebastian Friedrich.
Am 5. September 2011, um 20 Uhr in der Extra Blues Bar.

Vor einem Jahr löste Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ eine nicht enden wollende Diskussion um „Integration“, „Islam“, „Deutschenfeindlichkeit“ und „Fachkräftemangel“ aus. Das mediale Ereignis der »Sarrazindebatte« führte zu einer breiten gesellschaftlichen Verschiebung nach rechts, enttabuisierte rassistisches Denken und verband in besonderer Weise Rassismus mit Elite- und Nützlichkeitsdenken.
Schwerpunktmäßig wird es in der Veranstaltung um die Frage nach Kontinuitäten und Brüchen durch Sarrazin gehen. Es wird sich zeigen, dass die angesprochenen Diskurse keinesfalls „neu“ sind oder durch „Tabubrüche“ zum Vorschein kamen. Vielmehr unterliegen sie Konjunkturen und scheinen in ihrer Verschränkung besonders wirksam zu sein.
(mehr…)

Stephan Grigat: Das iranische Regime und seine europäischen Förderer

In dem Vortrag sollen Charakteristika der iranischen Diktatur aus Ajatollahs und Pasdaran skizziert und die Bedrohungssituation für Israel dargestellt werden. Die europäische Unterstützung für das Regime in Teheran wird ebenso beleuchtet wie die globale Bündnispolitik von Ahmadinejad und Khamenei. Es soll gefragt werden, warum Deutschland bis heute einer der wichtigsten Handelspartner des iranischen Regimes ist und inwiefern sich im fortgesetzten Appeasement gegenüber den Machthabern in Teheran ein postnazistisches Bedürfnis artikuliert. Zudem soll die Bedeutung der aktuellen Entwicklungen in den arabischen Ländern für die Sicherheit Israels einerseits und für die Expansionsbestrebungen des iranischen Regimes andererseits diskutiert werden.

Wann und wo?

13.07.2011 | 19:30 Uhr | Ort: T2-121 (Universität Bielefeld)

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft an der Universität Wien, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bündnisses www.stopthebomb.net Herausgeber von „Feindaufklärung & Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus & Islamismus“ (ça ira 2006) und Mitherausgeber von „Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur & ihrer europäischen Förderer“ (Studienverlag 2008) sowie „Iran im Weltsystem. Bündnisse des Regimes & Perspektiven der Freiheitsbewegung“ (Studienverlag 2010).

Was uns beherrscht II – Fortsetzung der Veranstaltungsreihe zur Kritik gesellschaftlicher Verhältnisse (11.05. – 17.06.2011)

Es geht weiter. Mit der Veranstaltungsreihe »Was uns beherrscht« haben wir im letzten Jahr begonnen, gesellschaftliche Verhältnisse zu analysieren und zu kritisieren. Es ging uns in den ersten elf Veranstaltungen vor allem darum, mit der Suche nach den Ursachen für bestehendes Leid, Gewalt, Herrschaft und Unfreiheiten zu beginnen. Wir wollten eine öglichkeit bieten, sich mit verschiedenen Themen emanzipatorisch auseinanderzusetzen, Debatten anregen und durch zaghafte und gleichwohl ungemindert kritische Blicke auf die Realität versuchen, (uns) klarer zu machen, was alles und warum es verkehrt läuft.
An diesem Vorhaben halten wir fest und setzen daher die Veranstaltungsreihe fort. Wir sind uns immer noch bewusst, dass wir im ersten Versuch nicht alles angesprochen haben, was zu thematisieren wäre. Deshalb wollen wir mit der Fortsetzung der Veranstaltungsreihe noch weitere gesellschaftliche Phänomene und deren Ursachen in den Blick nehmen. Gleichwohl erhebt das Veranstaltungsprogramm immer noch keinen Anspruch auf Vollständigkeit; es ist kein abgeschlossenes Projekt, sondern viel mehr als ›work in progress‹ zu betrachten, das als Anregung zur Weiterbeschäftigung mit emanzipatorischen, herrschaftskritischen Ansätzen und Theorien dienen soll. Außerdem wollen wir unserem Anspruch Rechnung tragen, die gesellschaftliche Realität aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten sowie bereits erfolgte Einblicke zu vertiefen.
Umso mehr freuen wir uns daher darüber, dass diese Veranstaltungsreihe durch die Beteiligung von weiteren Gruppen noch bereichert wird.
Die vielen Besucher_Innen der ersten Veranstaltungsreihe haben gezeigt, dass wir mit dem Interesse, sich mit gesellschaftlichen Verhältnissen auseinander zusetzen, nicht alleine sind und uns motiviert, die Veranstaltungsreihe fortzusetzen. Auch dieses Mal möchten wir wieder dazu einladen, uns bei dem Versuch zu begleiten, die Fragen zu beantworten, wie Menschen durch Rassismus, Sexismus, Antisemitismus u.a. systematisch unterdrückt werden und was sie, durch offene und verdeckte Herrschaftsmechanismen, beherrscht. Durch diese Veranstaltungen hoffen wir Antworten darauf geben zu können, warum und wie dies geschieht und ein kritisches Bewusstsein dafür zu schaffen, was daran falsch ist.

Zur Veranstaltungsübersicht

Vortrag & Diskussion mit Bernard Schmid: Nach den Revolten in Tunesien und Ägypten – Rückschlag in Lybien? Droht alles zum Alten zurückzukehren?

Vortrag und Diskussion mit Bernard Schmid.
Sonntag, 17. April 2011. 20 Uhr. Bürgerwache Bielefeld.

Das Jahr 2011 begann in vielerlei Hinsicht überraschend. Zwei mehr oder weniger erfolgreiche Revolutionen in arabischen Ländern, ein dreifacher Atomunfall in Japan – und danach eine breit angelegte Repression in Teilen des arabischen Raums: Die Ereignisse scheinen sich zu überschlagen.

Nordafrika nimmt dabei seit Jahresbeginn eine zentrale Position ein. Die Umbrüche dort – besonders in Tunesien und Ägypten – und die weitere Entwicklung (einschlieβlich der Niederschlagung von Bewegungen, die Veränderung einfordern, anderorts) haben weltweite Auswirkungen. Die demokratischen und sozialen Revolten beflügelten zunächst Protestwillige in zahlreichen Ländern andernorts. Von Angola bis China fanden zumindest Nachahmungsversuche statt, unter Nutzung von Facebook und Internet ebenso wie auf der Straβe. Auch auf die internationale Tourismusindustrie, den Erdölpreis und die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Nord- und Südufer des Mittelmeers sowie die Debatte über die „Schulden“ so genannter Entwicklungsländer entfalteten die Ereignisse erhebliche Auswirkungen.
(mehr…)

»18 Tage, die die Welt erschütterten« | Diskussion & Austausch über die arabische Revolte

Über Jahrzehnte versicherte die Gewalt in Tunesien, Ägypten und anderswo im Norden Afrikas und im Nahen Osten, dass es so, wie es ist, bleiben wird. Nur selten wagten die Unterdrückten ihre Stimme zu erheben; die Mubaraks und Ben Alis saßen umso fester im Sattel. Hatte man doch den Menschen mit unbändiger Gewalt eingebläut, dass man nur mit Unterwürfigkeit weiterkommt. Und die so genannte freie Welt wusste die Gängelung und Beleidigung der Menschen nach Kräften zu unterstützen.

Seit Beginn des Jahres aber wagt niemand mehr zu sagen: »Was ihr wollt, das geht niemals.« Gegen alles Gerede von mangelnder Reife zur Demokratie, sind es vor allem Jugendliche, die die Dinge, die sie betreffen, in ihre eigenen Hände nehmen. Und sie begehren auf gegen die Regimes von Mubarak und Ben Ali, begehren auf im Namen der Freiheit gegen Armut, Arbeitslosigkeit und Gaunerei.

Und der Westen? Es brauchte Zeit, viel Zeit, bis die nicht vorgesehenen Ereignisse eingeordnet waren. Längst aber hat man die richtigen Worte gefunden, fordert einen geordneten Übergang – wohl unter Führung der alten Machtelite – und gängelt die Menschen auch weiterhin mit allzu klugen regierungsamtlichen Vorschlägen. Unter allen Umständen soll verhindert werden, dass die Menschen in Tunesien und Ägypten ihre eigenen Erfahrungen machen. Und so haben sich die beredten Anwälte des Bestehenden nur zu laut vernehmbar in Stellung gebracht und verraten erneut, nachdem sie die »Grüne Bewegung« erst 2009 im Iran im Stich gelassen haben, die Freiheit an eine vermeintliche Stabilität und Sicherheit.

Wir wollen versuchen, uns über die sich überschlagenden Ereignisse im arabischen Raum auszutauschen; was genau passiert dort eigentlich gerade? Wie ist die Situation einzuschätzen? Mit wem und womit können und sollten wir solidarisch sein? Wie können wir darüberhinaus unsere Solidarität auch zum Ausdruck bringen? Wo sollten wir aber auch kritisch sein? Und was können wir noch Lernen von den Aufständen und Protesten dort?

Dazu möchten wir alle Interessierten herzlich einladen.

Wann und wo? 24.02.11 | 20 Uhr | Bürgerwache Bielefeld