Moral und Gesellschaftskritik

Es gibt nur einen vernünftigen Grund, Freiheit gesellschaftlich verwirklichen zu wollen: Moral

Vortrag von Dr. Christine Zunke. Gehalten am 20.11.2010 in Bochum im Rahmen der Veranstaltungsreihe Rote Ruhr Uni 2010. Eine ausführlichere schriftliche Version dieses Vortrags wird Mitte 2011 im Sammelband „Die Moral in der Kritik“ erscheinen.
Christine Zunke – Moral und Gesellschaftskritik by [association critique]

Die Vorstellung einer befreiten Gesellschaft, in der die Bedürfnisse der Menschen nicht unter dem blinden Gesetz der kapitalistischen Ökonomie bloße Mittel zur Verwertung des Werts, sondern Zweck der gesamtgesellschaftlichen Produktion wären, ist eine moralische Vorstellung, die sich nicht über das bloß individuelle Interesse begründen lässt. Denn das individuelle Interesse, meine Bedürfnisse (und die der Menschen, die ich mag) sollen Zweck der gesellschaftlichen Produktion sein, mündet konsequent in einer Vorstellung von Weltherrschaft. Nur in einem modernen Feudalismus mit mir an der Spitze hätte ich exklusiven Zugang zum gesamten Mehrprodukt und meine Bedürfnisse könnten auf höchstem Niveau verlangen und befriedigt werden. Das Interesse, das für die ganze Menschheit einen herrschaftsfreien Zustand fordert, ist dagegen nicht sinnlich, sondern aus reiner Vernunft praktisch begründet – und damit moralisch; dieses moralische Interesse an der Menschheit nannte Immanuel Kant Pflicht. Ich möchte diesen sperrigen Begriff aufnehmen und darstellen, warum die Abschaffung des Kapitalismus eine Pflicht ist, auch wenn sie meinen Interessen (Freizeit, Karriere etc.) entgegensteht.

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Christine Zunke ist Dozentin am Institut für Philosophie der Universität Oldenburg.
Veröffentlichungen u.a.: Das Subjekt der Würde, Köln 2004; Kritik der Hirnforschung.
Neurophysiologie und Willensfreiheit, Berlin 2008.

Dank an Ingo Elbe für das Zurechtschneiden der Datei.

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