Feindbild Islam?

Autoritarismen im Islam, Autoritarismen gegen den Islam und das Dilemma kritischer Forschung
Vortrag und Diskussion mit Floris Biskamp.

Es gibt in Deutschland seit einigen Jahren ein klar erkennbares Ressentiment gegen den Islam und gegen Muslime. Es gibt Parteien, vielgenutzte Internetplattformen und vielverkaufte Bücher, die auf kaum etwas anderem beruhen als auf der Hetze gegen den Islam. Dabei handelt es sich nicht einfach um Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit, sondern um ein spezifisches Feindbild Islam. Der Islam wird als Islam, Muslime werden als Muslime angegriffen. Solches Ressentiment zu benennen und zu kritisieren ist unbedingte Aufgabe einer an Emanzipation orientierten Forschung. Neben diesem Autoritarismus gegen den Islam gibt es aber auch Autoritarismen im Islam. Diese gehen weit über den islamistischen Terrorismus hinaus und betreffen große Teile der islamischen Orthodoxie und des deutschen Verbandsislams. Auch hier ist Kritik notwendig.

Dies ist für die kritische Forschung ein Dilemma, das sich letztlich auf die Frage herunterbrechen lässt, wo die Grenze zwischen dem Ressentiment gegen den Islam und legitimer Kritik an islamischen Autoritarismen verläuft. Im Vortrag werden verschiedene Versuche, diese Linie zu ziehen, vorgestellt und diskutiert.
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Floris Biskamp hat in Gießen und Boston Physik und Politikwissenschaft studiert und arbeitet aktuell an einem Promotionsprojekt zu Kritischer Theorie, Postcolonial Studies und Debatten um antimuslimische Ressentiments in Deutschland. Zuletzt erschien von ihm die Monografie »Die Dramaturgie demokratischer Imperien: Über das Verhältnis von Imperialität und Demokratie in der Debatte um das American Empire«.

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