Tagung zur Kritischen Theorie und Emanzipation

„…alles als infam zu empfinden, was das Bestehende ausmacht“ (Leo Löwenthal) – Kritische Theorie und Emanzipation

11.11. und 12.11.2011 Universität Bielefeld


Kritische Theorie ist ein unablösbares Moment der Anstrengung, eine Welt zu schaffen, die den Bedürfnissen und Kräften der Menschen genügt. Vor diesem Hintergrund begreift sie die gegenwärtige Gesellschaft nicht allein in ihrem Funktionieren, sondern ebensosehr in ihrer historischen Dimension, unter der Perspektive ihrer Veränderbarkeit. Kritische Theorie konfrontiert die heutige Organisation der Gesellschaft mit der in dieser Gesellschaft selbst gelegenen Möglichkeit zum Besseren. Diesen Widerspruch bringt sie zu Bewusstsein, bringt zu Bewusstsein, wie sehr die gegenwärtige Gesellschaft aus sich heraus auf der einen Seite bloß warenförmigen Reichtum, auf der anderen Seite Not und Unterdrückung, Zerstörung von Mensch und Natur produziert – wie sehr also die Gesellschaft, in der kapitalistische Produktionsweise herrscht, sich selbst, ihrem eigenen Anspruch widerspricht. „Indem (die kritischen Subjekte) die gegenwärtige Wirtschaftsweise und die gesamte auf ihr begründete Kultur als Produkt menschlicher Arbeit erkennen, als die Organisation, die sich die Menschheit in dieser Epoche gegeben hat und zu der sie fähig war, identifizieren sie sich selbst mit diesem Ganzen und begreifen es als Willen und Vernunft; es ist ihre eigene Welt. Zugleich erfahren sie, daß die Gesellschaft außermenschlichen Naturprozessen, bloßen Mechanismen zu vergleichen ist, weil die auf Kampf und Unterdrückung beruhenden Kulturformen keine Zeugnisse eines einheitlichen selbstbewußten Willens sind; diese Welt ist nicht die ihre, sondern die des Kapitals“ (Max Horkheimer).
Seit ihren Anfängen in den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts ist die kritische Theorie ein unzeitgemäßes Unternehmen, bringt sie doch gegen das falsche Einverständnis ihrer Zeitgenossen das zum Ausdruck, was an der Zeit ist. Einzig kraft des negativen Denkens, kraft der „rücksichtslosen Kritik alles Bestehenden“ (Karl Marx) kann kritische Theorie einer immer noch naturwüchsigen, immer noch nach fremden und feindlichen Zwecken eingerichteten Gesellschaft standhalten, sich ihrem Sog und Konformitätsdruck widersetzen, um den Gedanken an eine vernünftige und gerechte Gesellschaft, zuletzt den eigenen Glücksanspruch zu behaupten. Ziel kritischer Theorie, und darin besteht ihr praktischer Eingriff, ist es Leben und Denken im bewussten Widerspruch zu organisieren. Kurz: „Weder sich von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen“ (Theodor W. Adorno).

Tagungsprogramm

FREITAG, 11.11.2011
14:00 – 16:00 Uhr
Was ist Kritische Theorie? (Eröffnungsvortrag)
mit Alex Demirovic
16:00 – 18:00 Uhr
Zur Kritik der Verdinglichung
mit Rüdiger Dannemann
SAMSTAG, 12.11.2011
10:00 – 12:00 Uhr
Kritische Theorie über den Antisemitismus
mit Heinz Gess

12:00 – 14:00 Uhr
Über Begriff und Aktualität der Kulturindustrie
mit Isabelle Klasen

14:00 – 15:00 Uhr
Mittagessen

15:00 – 17:00 Uhr
Kritische Theorie und die Kritik der politischen Ökonomie
mit Dirk Braunstein

17:00 – 19:00 Uhr
Feminismus und Kritische Theorie
mit Barbara Umrath

19:00 – 20:00 Uhr
Abendessen

20:00 – 22:00 Uhr
Kritische Theorie und Staatssozialismus (Podiumsdiskussion)
mit Christoph Jünke, Magnus Klaue und Robert Steigerwald

Mehr Informationen unter: > http://kritischetheorieundemanzipation.blogsport.de

Veranstaltende und unterstützende Gruppen und Organisationen

Antifa AG an der Uni Bielefeld
[association critique]
Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld
Rosa-Luxemburg-Club Bielefeld
Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW


1 Antwort auf „Tagung zur Kritischen Theorie und Emanzipation“


  1. 1 Bea 13. Oktober 2011 um 18:17 Uhr

    Da es auf der Homepage des Symposiums keine Kommentarfunktion gibt, frage ich einfach mal hier, bei einer der veranstaltenden Gruppen nach. Da ich am 15. leider nicht in Bonn sein werde, würde es mich sehr interessieren, ob die Vorträge aufgenommen werden. Falls nein, könnt ihr diesen Kommentar ja als Anregung dazu verstehen – auch wenn es nur noch zwei Tage bis dahin sind.
    Ansonsten würde ich mich auch über den ein oder anderen Literaturtipp freuen, gerade zu den Vorträgen „Transformationen und Kontinuitäten“ und „Von Schlegel zu Schland“.

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